Steuern und Finanzen in der Türkei: Leitfaden für Auswanderer | KOCH Umzugslogistik

Der Umzug in die Türkei ist ein aufregendes Abenteuer, das viele neue Möglichkeiten und Erfahrungen bietet. Ein wesentlicher Aspekt, den Auswanderer beachten müssen, sind die Steuern und Finanzen in der Türkei. Dieser Artikel bietet umfassende Informationen über das türkische Steuersystem, die besten Banken und Tipps für internationale Geldüberweisungen für alle, die in die Türkei auswandern möchten.

Das türkische Steuersystem wurde stark vom deutschen Steuerrecht beeinflusst, sodass beide Systeme grundsätzlich vergleichbar sind. Die Steuergesetze werden national erlassen, und die türkischen Behörden wenden sie einheitlich im ganzen Land an. Die Einkommensteuer (Gelir Vergisi) ist progressiv und erreicht Spitzensätze von bis zu 40 %. Die Türkei orientiert sich am Welteinkommensprinzip: Wenn Sie steuerlich in der Türkei ansässig sind, müssen Sie Ihr weltweites Einkommen dort versteuern. Anders als in Deutschland gibt es keine Kirchensteuer, und die Sozialabgaben fallen niedriger aus.

Einkommenssteuer

Die Türkei verwendet ein progressives Einkommensteuersystem mit gestaffelten Tarifen, die jährlich angepasst werden. Besteuert wird Ihr weltweites Einkommen, sobald Sie in der Türkei steuerlich ansässig sind (mehr als 183 Tage im Kalenderjahr oder wenn sich Ihr Lebensmittelpunkt in der Türkei befindet, etwa durch eine dauerhafte Wohnung, Familie oder geschäftliche Aktivitäten).

Löhne bis zum Mindestlohn unterliegen nicht der Einkommensteuer und der Stempelsteuer. Die Steuererklärung (Gelir Vergisi Beyannamesi) muss jährlich bis Ende März des Folgejahres eingereicht werden.

Neue Steuerreform – Mögliche Steuerfreiheit für Auslandseinkünfte

Sehenswert ist ein neues Gesetz, das die Türkei plant: eine 20-jährige Steuerfreiheit auf ausländische Einkünfte für Zuzügler, die in den vergangenen drei Jahren nicht in der Türkei steuerlich ansässig waren. Diese Regelung könnte für internationale Fachkräfte, Remote Worker und Unternehmer äußerst attraktiv sein und ist im Auge zu behalten. Für eine verbindliche Beratung sollte jedoch immer ein lokaler Steuerberater hinzugezogen werden.

Sozialversicherungsbeiträge (SGK – Sosyal Güvenlik Kurumu)

In der Türkei werden die Sozialversicherungsbeiträge (für Kranken-, Renten- und Unfallversicherung) direkt vom Bruttogehalt abgezogen. Als Arbeitnehmer liegt der Beitragssatz insgesamt bei etwa 37,5 % des Bruttolohns – wobei rund 22,5 % vom Arbeitgeber und etwa 15 % vom Arbeitnehmer getragen werden. Die türkische Sozialversicherungsanstalt (SGK) ist eine Einheitsversicherung, die Krankheit, Mutterschaft, Alter, Invalidität und Unfall abdeckt. Selbstständige (Autónomos) zahlen ihre Beiträge vollständig selbst. Für ausländische Arbeitnehmer, die vorübergehend von einem deutschen Arbeitgeber in die Türkei entsandt werden, existiert ein Deutsch-Türkisches Abkommen über Soziale Sicherheit, das eine doppelte Sozialversicherungspflicht verhindert.

Mehrwertsteuer (KDV)

Die Mehrwertsteuer in der Türkei wird auf die Lieferung von Waren und Dienstleistungen im türkischen Steuergebiet sowie bei der Einfuhr erhoben. Der reguläre Steuersatz beträgt 20 %. Die bei der Einfuhr entrichtete Mehrwertsteuer kann von mehrwertsteuerpflichtig registrierten Unternehmen in der Türkei nur mit steuerpflichtigen Umsätzen verrechnet werden; eine Erstattung an im Ausland ansässige Unternehmen erfolgt nicht.

Vermögensbezogene Steuern

Die Türkei erhebt eine jährliche Grundsteuer (Emlak Vergisi) auf Immobilienbesitz. Der Steuersatz beträgt 0,1 % bis 0,3 % des Katasterwertes – für Wohnimmobilien 0,1 %, für andere Gebäude 0,2 % und für Grundstücke 0,3 %. Eine Vermögenssteuer auf sonstige Vermögensgegenstände wird in der Türkei nicht erhoben.

Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland

Zwischen Deutschland und der Türkei besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) aus dem Jahr 2011, das verhindert, dass Ihr Einkommen in beiden Ländern besteuert wird. Das Abkommen orientiert sich im Wesentlichen am OECD-Musterabkommen und bringt mehrere wichtige Regelungen:

Arbeitnehmer: Einkommen aus unselbstständiger Arbeit wird in dem Staat besteuert, in dem die Arbeit tatsächlich ausgeübt wird.

Zinsen: Der DBA-Quellensteuersatz wurde von 15 % auf 10 % reduziert.

Lizenzgebühren: Der Quellensteuersatz bleibt bei 10 %.

Dividenden: Bei Schachtelbeteiligungen (mindestens 25 % Anteil) kommt ein Quellensteuersatz von 5 % zur Anwendung, ansonsten 15 %.

Renten: Renten aus der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung dürfen nur in Deutschland besteuert werden.

 

Bezüglich der Vermeidung der Doppelbesteuerung ist zu beachten, dass eine fiktive Anrechnung von Quellensteuern im neuen DBA nicht vorgesehen ist.

Steuererklärung (Gelir Vergisi Beyannamesi)

In der Türkei sind Sie grundsätzlich verpflichtet, jährlich eine Steuererklärung einzureichen. Die Frist für die Abgabe der Einkommensteuererklärung endet jeweils am 31. März des Folgejahres. Die Steuererklärung ist für die meisten Steuerpflichtigen in der Türkei verpflichtend, wenn:

– Ihr zu versteuerndes Einkommen die Freibeträge überschreitet;

– Sie selbstständig tätig sind;

– Sie Einkünfte aus mehreren Quellen beziehen.

 

Die Steuerverwaltung wurde in den letzten Jahren zunehmend digitalisiert, was die Abwicklung für Ausländer erheblich erleichtert.

Quellensteuer für ausländische Arbeitnehmer

Wenn Sie als ausländischer Arbeitnehmer in der Türkei tätig sind, gibt es mehrere steuerliche Aspekte zu beachten. Arbeitgeber sind verpflichtet, einen Teil Ihres Gehalts als Vorauszahlung auf Ihre jährliche Einkommensteuer direkt vom Lohn einzubehalten (Quellensteuer). Die Höhe der Einbehaltung wird anhand Ihrer persönlichen Steuersituation berechnet. Am Ende des Steuerjahres gleicht die jährliche Steuererklärung die Differenz zwischen der bereits einbehaltenen Quellensteuer und Ihrer tatsächlichen Steuerschuld aus.

Bankkonto eröffnen: Wie man als Ausländer ein Konto eröffnet und was zu beachten ist

Ein Bankkonto in der Türkei zu eröffnen, ist ein wesentlicher Schritt, um in der türkischen Wirtschaft Fuß zu fassen. Die Türkei verfügt über ein modernes Bankensystem mit einer Mischung aus staatlichen Banken (Ziraat Bank, VakıfBank), Privatbanken (Garanti BBVA, Yapı Kredi, İşbank) und Filialen internationaler Banken (ING Bank, Citibank, HSBC, Deutsche Bank). In der Regel benötigen Sie für die Kontoeröffnung:

 

eine Steueridentifikationsnummer (VKN): Ausländer können ihre TIN online über das „Interactive Tax Office“ oder in einem lokalen Steueramt (Vergi Dairesi) beantragen; benötigt wird nur ein gültiger Reisepass. Personen mit einer Aufenthaltsgenehmigung können stattdessen ihre Ausländeridentifikationsnummer (YKN) verwenden;

einen gültigen Reisepass (Original und Kopie);

einen Adressnachweis in der Türkei (z. B. Mietvertrag, Stromrechnung, Hotelbestätigung);

eine türkische Handynummer (erforderlich für SMS-Banking und Sicherheitscodes);

einen Wohnsitz- oder Aufenthaltstitel, falls vorhanden – viele Banken verlangen ihn bei längerem Aufenthalt.

 

Der Antragsteller muss in der Regel persönlich in einer Filiale erscheinen, da eine reine Online-Kontoeröffnung für Ausländer in der Türkei nicht üblich ist. Die Eröffnung eines Kontos bedeutet nicht automatisch, dass man direkt eine Kreditkarte oder ein Scheckbuch beantragen kann – für diese Dienstleistungen gelten gesonderte Kriterien. Viele Banken bieten Expat-spezifische Konten mit englischem Kundensupport an, etwa die VakıfBank mit ihrem „Expat Banking“-Service.

Geldüberweisungen und Lebenshaltungskosten

Internationale Geldüberweisungen zwischen der Türkei und Deutschland erfordern aufgrund unterschiedlicher Währungen (Euro vs. Türkische Lira) besondere Aufmerksamkeit. Spezialisierte Anbieter wie Wise (früher TransferWise) bieten oft günstigere Wechselkurse als traditionelle Banken. SEPA-Überweisungen sind aufgrund des EU-Beitrittsstatus der Türkei nicht verfügbar; Überweisungen werden in der Regel als SWIFT-Transaktionen abgewickelt.

Die Lebenshaltungskosten in der Türkei liegen deutlich unter dem deutschen Niveau, wobei die Mieten in Istanbul, Ankara und den Küstenregionen teurer sind als im Landesinneren. Für eine Einzelperson betragen die monatlichen Lebenshaltungskosten (ohne Miete) etwa 400 bis 500 Euro, für eine vierköpfige Familie etwa 1.200 bis 1.600 Euro. Die türkische Lira unterliegt erheblichen Wechselkursschwankungen, was die finanzielle Planbarkeit beeinträchtigen kann.

Fazit

Das türkische Steuersystem ist zentral organisiert und orientiert sich in vielen Bereichen am deutschen Vorbild, was den Einstieg für deutsche Auswanderer erleichtert. Mit progressiven Einkommensteuersätzen von 15 bis 40 Prozent, einer Mehrwertsteuer von 20 Prozent und einem umfassenden Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland bietet die Türkei eine transparente und berechenbare steuerliche Grundlage. Besonders attraktiv für Neuzuwanderer ist die geplante 20-jährige Steuerfreiheit auf ausländische Einkünfte, die Fachkräfte, Remote Worker und Unternehmer in den Blick nehmen sollten. Wer in die Türkei auswandert, profitiert zudem von niedrigeren Sozialabgaben, keiner Kirchensteuer und einem modernen Bankensystem mit einfacher Kontoeröffnung. Die Lebenshaltungskosten liegen deutlich unter dem deutschen Niveau, was den finanziellen Neustart zusätzlich erleichtert. Mit KOCH Umzugslogistik als Partner an Ihrer Seite können Sie Ihren Umzug in die Türkei strukturiert angehen – von der ersten Planung bis zur finalen Finanzorganisation.

Flagge der Türkei – Wehende rote Flagge vor blauem Himmel, Türkei
Türkische Küste – Sandstrand mit türkisfarbenem Meer, Türkei

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