Bildung und Schulen für Expats in Schweden | KOCH Umzugslogistik
Ein Umzug nach Schweden stellt Familien vor viele Herausforderungen, insbesondere wenn es um die Bildung der Kinder geht. Das schwedische Bildungssystem unterscheidet sich in mehreren Punkten fundamental vom deutschen Schulsystem – vor allem durch sein integratives und sehr lange gemeinsames Lernmodell. Anders als in Deutschland wird in Schweden jedes Kind bis zum 16. Lebensjahr gemeinsam in einer Gesamtschule unterrichtet, eine frühe Aufteilung wie in unser dreigliedrige Schulsystem gibt es nicht. Dieses Prinzip der Chancengleichheit ist tief in der schwedischen Gesellschaft verwurzelt. Das schwedische Schulwesen ist stark dezentral organisiert: Die Gemeinden (Kommuner) sind als Schulträger für die Organisation verantwortlich, während die nationale Schulbehörde (Skolverket) für die übergeordneten Lehrpläne und Ziele zuständig ist. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf das schwedische Schulsystem, die besten internationalen Schulen in Stockholm, Göteborg und Malmö sowie die verschiedenen Optionen für kleinere Kinder, damit Sie bestens informiert und vorbereitet nach Schweden auswandern können.
Internationale Schulen in Schweden
Für Familien, die nach Schweden auswandern, bieten internationale Schulen eine hervorragende Möglichkeit, ihren Kindern eine vertraute, oft englischsprachige Bildung zu ermöglichen. Schweden verfügt über eine wachsende Auswahl an internationalen Schulen, insbesondere in Stockholm, Göteborg und Malmö. Diese Schulen folgen entweder einem britischen (IGCSE, A-Levels), einem amerikanischen (High School Diploma, AP), einem International-Baccalaureate (IB)- oder einem schwedischen Lehrplan (mit verstärktem Englischanteil). Besonders hervorzuheben ist das System der Friskolor – staatlich subventionierte, aber in privater Trägerschaft geführte Schulen. In Deutschland gibt es eine solche flächendeckende staatliche Finanzierung privater Schulen in diesem Umfang nicht.
– Die Stockholm International School ist die älteste und bekannteste internationale Schule Stockholms und seit fast 75 Jahren eine Institution für Expat-Familien. Sie unterrichtet in englischer Sprache nach dem IB-Curriculum (Primary Years, Middle Years, Diploma Programme) für Kinder von 3 bis 18 Jahren. Die jährlichen Schulgebühren für das Schuljahr 2026/27 betragen für die Klassenstufen 135.000 SEK bis 191.500 SEK (ca. 11.600 bis 16.500 Euro). Zusätzlich wird eine einmalige Aufnahmegebühr von 60.000 SEK (ca. 5.150 Euro) fällig. Damit liegen die Kosten in Stockholm auf einem ähnlichen Niveau wie internationale Schulen in deutschen Metropolen wie Berlin, München oder Hamburg.
– Eine Besonderheit im Stockholmer Schulumfeld ist die International School of the Stockholm Region (ISSR). Sie ist eine öffentlich finanzierte, englischsprachige Schule, die von der Stadt Stockholm betrieben wird. Sie bietet das gesamte IB-Programm (PYP, MYP, DP) für Kinder von 5 bis 18 Jahren völlig kostenlos an – das ist ein gewaltiger Unterschied zu Deutschland, wo ein vergleichbar hochwertiges internationales Angebot in öffentlicher Trägerschaft nicht existiert. Die ISSR ist ideal für Familien, die eine hochwertige internationale Bildung ohne die hohen Kosten privater Schulen suchen. Allerdings ist die Nachfrage sehr hoch, daher ist eine frühzeitige Anmeldung notwendig.
– Das französische Lyzeum wurde 1959 gegründet und ist als französische Auslandsschule akkreditiert. Es bietet eine mehrsprachige Ausbildung (Französisch, Schwedisch, Englisch) vom Kindergarten bis zum Gymnasium und folgt dem französischen Nationallehrplan. Die jährlichen Schulgebühren liegen am unteren Ende der Skala für internationale Schulen in Stockholm – eine genaue Angabe ist jedoch nicht öffentlich, die Schule verlangt eine persönliche Kontaktaufnahme. Anders als in Deutschland, wo auch französische Lyzeen existieren (z. B. in Berlin, Düsseldorf, München), sind die Gebühren in Schweden häufig etwas niedriger, da sie stärker staatlich subventioniert werden.
– Die SSHL liegt in Sigtuna, etwa 40 km nördlich von Stockholm. Sie ist ein schwedisches Internat und eine Tageshochschule mit einem internationalen Profil. Sie bietet sowohl das IB Diploma Programme als auch den schwedischen Lehrplan für Schüler ab 14 Jahren. Die Gebühren liegen bei 30.000 SEK bis 38.000 SEK pro Jahr (ca. 2.600 bis 3.300 Euro). In Deutschland gibt es vergleichbare Internate mit internationaler Ausrichtung (z. B. die Louisenlund-Schule oder die Salem-Schule). Die SSHL punktet mit ihrer idyllischen Lage am Mälaren-See und ihrer Mischung aus schwedischer und internationaler Kultur.
– Die Vasa International School of Stockholm unterrichtet nach IB- und schwedischem Lehrplan (5-16 Jahre), die Gebühren liegen bei etwa 10.000 SEK pro Jahr (ca. 860 Euro). Es gibt die Futuraskolan International mit mehreren Standorten in Stockholm, die ebenfalls nach IB- und schwedischen Lehrplänen arbeiten. Eine vollständige Liste der internationalen Schulen in Stockholm wird auf der Website der Stadt Stockholm geführt.
Deutsche Schulen in Schweden
Die Deutsche Schule Stockholm wurde 1612 gegründet und ist damit die älteste Schule Stockholms und die zweitälteste deutsche Auslandsschule der Welt. Diese Schule ist eine der ältesten Institutionen des deutsch-schwedischen Kulturaustauschs überhaupt. Sie ist eine anerkannte, ausgezeichnete deutsche Auslandsschule mit Kindergarten, Grundschule und Gymnasium. Sie folgt einem deutschen Lehrplan und deutschen Bestimmungen, während in Schwedisch, schwedischer Geschichte, Gemeinschaftskunde und Geographie der schwedische Lehrplan gilt. Die Schule verleiht sowohl das Deutsche Internationale Abitur (DIA) als auch ein schwedisches Abschlusszeugnis (Examensbevis). Die Kinder erlangen so in beiden Ländern die Hochschulreife. Die DSS ist eine Begegnungsschule, in der deutsch- und schwedischsprachige Kinder gemeinsam lernen. Die Anzahl der Schüler beträgt etwa 600, die der Lehrkräfte etwa 50. Der Schulträger ist der Deutsche Schulverein Stockholm. Die Schule verfügt über das BLI-Gütesiegel „Exzellente Deutsche Auslandsschule“. Ein Eintritt ist in der Regel nur möglich, wenn die Kinder Deutsch als tägliche Umgangssprache mit einem oder beiden Elternteilen sprechen. In Ausnahmefällen werden auch Kinder ohne deutsche Sprachkenntnisse aufgenommen, wenn ein ausreichendes Sprachvermögen für die Teilnahme am Unterricht besteht. Die Schule hat ein zweisprachiges Konzept, bei dem Deutsch und Schwedisch gleichermaßen vermittelt werden. Die Jahresgebühren bewegen sich im Rahmen des Üblichen für deutsche Auslandsschulen. Nach der 4. Klasse besuchen die Schüler ein deutsches Gymnasium (Klasse 5-12), das sich vom schwedischen Gesamtschulsystem unterscheidet
Neben der Schule in Stockholm gibt es die Deutsche Schule Göteborg (Tyska skolan Göteborg). Sie wurde 1995 gegründet und ist heute eine von zwei deutschen Schulen in Schweden. Sie liegt im Süden der zweitgrößten Stadt Schwedens in einem schönen Gebäude, das in den 1960er Jahren erbaut und später mehrmals renoviert wurde. Sie ist eine bilinguale Grundschule (Deutsch/Schwedisch) mit 1. bis 6. Klasse. Ab dem Schuljahr 2024/2025 wird die Schule schrittweise zu einer Grundschule mit den Klassen 1-9 erweitert. Der Unterricht umfasst neben den Kernfächern auch Musik, Kunst, Handwerk, Textilarbeit und Sport. Nach der 6. Klasse wechseln die Schüler auf die Integrierte Internationale Schule (IEGS) in Göteborg.
Das schwedische Bildungssystem: Förskola bis Gymnasium
Das schwedische Bildungssystem ist bekannt für sein integratives, weniger leistungsorientiertes und auf Chancengleichheit ausgerichtetes Modell. Die Kinder lernen deutlich länger gemeinsam, eine frühe Selektion in verschiedene Schulformen wie in Deutschland (Haupt-, Real-, Gymnasialschule) gibt es nicht. Die Schulpflicht beträgt zehn Jahre (vom Jahr, in dem das Kind sechs Jahre alt wird, bis zum 16. Lebensjahr). Die Grundstruktur gliedert sich in mehrere aufeinander aufbauende Stufen:
– Vorschulbereich (frühkindliche Bildung): Für alle Sechsjährige ist die Vorschulklasse verpflichtend. Sie ist die Brücke zwischen Kindergarten und Schule und dient der spielerischen Vorbereitung auf den Schulalltag. Sie ist in der Regel an eine Grundschule (Grundskola) angebunden und kostenlos.
– Grundschule (Barneskole, 1.-9. Klasse): Diese neunjährige Gesamtschule bildet das Herzstück des schwedischen Schulsystems. Die Kinder werden in den ersten sechs Jahren meist von einem Klassenlehrer in den meisten Fächern unterrichtet. Die meisten Fächer sind praktisch/ästhetische Fächer (Bildkunst, Hauswirtschaftslehre, Sport, Musik, Werken) und gesellschafts- und naturwissenschaftliche Fächer. In den höheren Klassen teilen sich spezialisierte Lehrer die Fächer auf. In der Grundschule lernen die Schüler Englisch, meist schon ab der ersten Klasse. Später folgt die Wahl einer zweiten Fremdsprache: Deutsch, Französisch oder Spanisch. Ein großer Unterschied zu Deutschland: In der schwedischen Grundschule gibt es keine Noten, bis zum 8. Schuljahr. Erst dann werden Noten auf einer dreistufigen Skala (Genügend, Gut, Sehr gut) vergeben. Am Ende der neunten Klasse wird die Schule ohne zentrale Abschlussprüfung beendet – es gibt ein Abgangszeugnis.
– Oberstufe (Gymnasieskola, 10. bis 12. Klasse): Nach der Grundschule gehen fast alle Schüler (über 98 Prozent) auf die freiwillige, aber fast allgemein besuchte Oberstufe. Hier gibt es 18 nationale Programme: sechs sind studienvorbereitend (theoretische Ausrichtung), zwölf sind berufsvorbereitend (praktische Ausrichtung). Alle Programme sind kostenlos; Schulmaterialien und Lehrmittel werden gestellt. Im Gegensatz zum deutschen System ist der Besuch der Oberstufe nicht verpflichtend, aber die überwältigende Mehrheit der Jugendlichen macht von dieser Chance Gebrauch. Nach erfolgreichem Abschluss verfügen die Schüler über die allgemeine Hochschulreife.
Unterschiede zum deutschen Schulsystem
Im Vergleich zu Deutschland fallen mehrere markante Unterschiede auf:
– NEUN GEMEINSAME JAHRE OHNE FRÜHE SELEKTION:In Schweden besuchen alle Kinder die gleiche Grundschule (Grundskola) bis zur 9. Klasse. Im Gegensatz dazu werden deutsche Schüler bereits nach der 4. Klasse (in manchen Bundesländern nach der 6. Klasse) in verschiedene Schultypen (Gymnasium, Realschule, Hauptschule) aufgeteilt. Das schwedische integrierte System sieht von dieser frühen Trennung ab. Der schwedische Staat investiert mit 7,1 Prozent des BIP (im Vergleich zu 4,5 Prozent in Deutschland) deutlich mehr in Bildung. Die Klassen sind kleiner, die Schulen sind oft mit einer guten Ausstattung barrierefrei.
– KEINE NOTEN IN DEN ERSTEN ACHT SCHULJAHREN: Ein wichtiger Unterschied zum deutschen System, wo bereits in der Grundschule Noten vergeben werden, die über den Bildungsweg mitentscheiden können. In Schweden gibt es bis zur 7. Klasse keine Noten, sondern Entwicklungsgespräche zwischen Eltern und Lehrern. In den ersten sechs Jahren lernen die Schüler in einer Umgebung, die weniger leistungsorientiert ist, ohne ständigen Druck. Eine schriftliche Beurteilung ist für die Eltern einsehbar.
– MATERIALIEN, COMPUTER, MITTAGESSEN – ALLES KOSTENLOS : Schüler in Schweden bekommen alle Materialien, die sie für die Schule benötigen, kostenlos gestellt – vom Stift über das Heft bis hin zu einem eigenen Computer. Auch das Mittagessen ist für alle Schüler und Lehrkräfte kostenlos – und lecker! In Deutschland müssen Schüler hingegen in der Regel ihre Materialien selbst bezahlen; das Mittagessen ist kostenpflichtig oder nur in bestimmten Fällen subventioniert.
– FÄCHERVIELFALT UND „KEIN KONFESSIONELLER RELIGIONSUNTERRICHT“: In der Grundschule gibt es eine bemerkenswert große Fächervielfalt: Nähen, Werken, Kochen, ökonomische Bildung spielen eine Rolle ebenso wie traditionelle Fächer. Einen konfessionellen Religionsunterricht gibt es hingegen nicht. Das liegt an der stark säkularisierten schwedischen Gesellschaft.
– “FRISKOLA“ – DAS STAATLICH FINANZIERTE PRIVATSCHULMODELL: Neben den öffentlichen kommunalen Schulen gibt es die sogenannten Friskolor (wörtlich: „freie Schulen“). Diese Privatschulen werden öffentlich finanziert, dürfen aber keine Schulgebühren erheben. Sie können ein eigenes pädagogisches Profil haben (z. B. Montessori, Waldorf, IB). Dieses Modell existiert in Deutschland nur in Ansätzen (z. B. einige wenige staatlich anerkannte Privatschulen mit Gebühren). In Schweden besucht mehr als jedes sechste Kind eine solche staatlich finanzierte Privatschule.
– GANZTAGSSCHULE MIT HOHER ANWESENHEIT: Die Schule in Schweden ist in der Regel eine Ganztagsschule. Die Lehrkräfte haben 35 Stunden Anwesenheitspflicht. Die Schüler haben viele Freiheiten: Sie dürfen das Schulgebäude in den Pausen selbstständig erkunden, die Unterrichtsstunden unterschiedlicher Länge (40-70 Minuten) sind ohne starren Gong.
– LEHRER IM DUZ: Die Hierarchien sind flacher, die Atmosphäre ist entspannter. Die Schüler duzen ihre Lehrer, und die Lehrer duzen sich auch untereinander – das ist auch in der schwedischen Arbeitswelt normal.
– GUTE INTEGRATION VON MIGRANTENKINDERN: Schweden ist seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland. Das Schulsystem ist darauf eingestellt: Schüler mit Migrationshintergrund erhalten Unterricht in „Schwedisch als Zweitsprache“. Viele Schüler sprechen zu Hause eine andere Muttersprache.
Kindergärten und Vorschulen (Förskola)
Die frühkindliche Bildung ist das Herzstück der schwedischen Bildungspolitik. Die Förskola ist eine Einrichtung für Kinder von 1 bis 5 Jahren, die in Schweden sehr weit verbreitet ist. Sie ist nicht verpflichtend, wird aber von etwa 90 Prozent der schwedischen Kinder besucht. Die Förderung des Spiels und der sozialen Kontakte steht im Mittelpunkt. Der Fokus liegt auf Geschlechterbewusstsein, Nachhaltigkeit und der Vorbereitung auf die Schule. Die meisten Kinder sind 15 Stunden pro Woche kostenlos, darüber hinaus wird ein einkommensabhängiger Maximaltarif (Maxtaxa) erhoben. Für Kinder unter 1-5 Jahren zahlen Eltern maximal 3% des Familieneinkommens (maximal 1.847 SEK pro Monat), für das zweite Kind 2% (maximal 1.231 SEK) und für das dritte Kind 1% (maximal 616 SEK). Ab dem 4. Kind ist es kostenlos.
Für deutsche Familien sind zweisprachige oder internationale Kindergärten vor allem in den großen Städten eine gute Anlaufstelle. Die Deutsche Schule Stockholm und die Deutsche Schule Göteborg bieten einen bilingualen Kindergarten an. In Schweden ist die Vorschulklasse (Förskoleklass) für alle Sechsjährigen verpflichtend und in der Regel an die Grundschule angebunden.
Fazit
Ein Umzug nach Schweden erfordert eine sorgfältige Planung des Schulwechsels. Es ist wichtig, sich frühzeitig über die verschiedenen Optionen zu informieren. Das schwedische Bildungssystem bietet viele Vorzüge: eine integrative Struktur mit neun gemeinsamen Jahren ohne frühzeitige Selektion, eine entspannte Lernatmosphäre, keine Noten bis zur 8. Klasse, kostenlose Materialien und ein Mittagessen für alle. Ob öffentliche Grundschule, staatlich finanzierte Privatschule, zweisprachige deutsche Schule oder internationale Schule in Stockholm – mit der richtigen Vorbereitung und Unterstützung findet jede Familie den passenden Bildungsweg für ihre Kinder in Schweden. KOCH Umzugslogistik steht Ihnen als erfahrener Partner zur Seite, um Ihren Umzug nach Schweden reibungslos zu gestalten.

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