Bildung und Schulen für Expats in Belgien | KOCH Umzugslogistik

Ein Umzug nach Belgien stellt Familien vor viele Herausforderungen, insbesondere wenn es um die Bildung der Kinder geht. Das belgische Schulsystem unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom deutschen Bildungssystem – vor allem durch die Zuständigkeit der drei Sprachgemeinschaften (Flämische, Französische und Deutschsprachige Gemeinschaft), die frühe Einschulung und die starke Betonung der Mehrsprachigkeit. Anders als in Deutschland, wo die Kultushoheit bei den Bundesländern liegt, ist das belgische Schulsystem nach Sprachräumen organisiert, was zu unterschiedlichen Lehrplänen und Abschlüssen in Flandern, Wallonien und der Deutschsprachigen Gemeinschaft führt. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf das belgische Bildungssystem, die besten internationalen Schulen in Städten wie Brüssel, Antwerpen, Lüttich und Eupen sowie Optionen für kleinere Kinder, damit Sie bestens informiert und vorbereitet nach Belgien auswandern können.

Internationale Schulen in Belgien

Für Familien, die nach Belgien auswandern, bieten internationale Schulen eine hervorragende Möglichkeit, ihren Kindern eine hochwertige und vertraute Bildung zu ermöglichen. Internationale Schulen in Belgien unterrichten in der Regel auf Englisch und bieten weltweit anerkannte Abschlüsse wie das International Baccalaureate (IB), britische (IGCSE, A-Levels), amerikanische (AP) oder französische Curricula an. Besonders in Brüssel gibt es eine besonders hohe Dichte internationaler Schulen.

Internationale Schulen in Brüssel

Brüssel, das Herz der europäischen Politik, beheimatet die meisten internationalen Schulen Belgiens, die sich in einem Bogen etwa 20 bis 30 Autominuten vom Zentrum entfernt befinden. Die International School of Brussels (ISB) in Waterloo gilt als Flaggschiff der internationalen Bildung in Brüssel und bietet das vollständige IB-Kontinuum (Primary Years Programme bis Diploma Programme) mit einer Gemeinschaft aus über 50 Nationalitäten; die Schulgebühren liegen zwischen etwa 28.000 und 38.000 € pro Jahr. Die British School of Brussels (BSB) in Tervuren ist die führende britische Schule der Stadt mit starkem Ruf für IGCSE- und A-Level-Ergebnisse bei jährlichen Gebühren zwischen etwa 22.000 und 33.000 €. Die Brussels American School (BAS) in Sterrebeek bietet ein amerikanisches Curriculum mit AP-Kursen für etwa 20.000 bis 30.000 € pro Jahr. Die St. John‘s International School in Waterloo bietet IB in einem kleineren, gemeinschaftsorientierten Umfeld für etwa 18.000 bis 28.000 € jährlich. Die BEPS International School im zentralen Brüssel ist eine angesehene kleinere internationale Schule mit britischem Curriculum und IB-Optionen bei Gebühren zwischen etwa 16.000 und 24.000 € pro Jahr. Die Internationale Deutsche Schule Brüssel (iDSB) in Wezembeek-Oppem ist eine besondere Empfehlung für deutschsprachige Familien. Als älteste internationale Schule Brüssels (gegründet 1803) bietet sie eine hervorragende Ausbildung auf Basis deutscher Lehrpläne vom Kindergarten bis zum Abitur und ist eine offiziell anerkannte deutsche Auslandsschule mit Schulgemeinschaft aus 30 Nationen.

Internationale Schulen in Antwerpen, Lüttich und der Deutschsprachigen Gemeinschaft

Außerhalb Brüssels gibt es ebenfalls hochwertige internationale Bildungseinrichtungen. In Antwerpen, das zahlreiche internationale Konzerne beheimatet, bietet die Antwerp International School (AIS) das vollständige IB-Programm mit jährlichen Gebühren zwischen etwa 14.000 und 22.000 € an. In Antwerpen gibt es zudem die Deutsche Schule Antwerpen (LiFE ASBL), die als anerkannte deutsche Auslandsschule den deutschen Bildungsgang anbietet. Im Großraum Lüttichund Brüssel befindet sich die European School of Brussels, die als Europaschule für Kinder von EU-Bediensteten konzipiert ist, aber unter bestimmten Voraussetzungen auch für andere internationale Familien zugänglich ist. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft Ostbelgiens, wo Deutsch Amtssprache ist, gibt es keine internationalen Schulen im klassischen Sinne, da das reguläre öffentliche Schulsystem auf Deutsch unterrichtet. Hier sind die Schülerinnen und Schüler Teil eines vollwertigen deutschsprachigen Bildungssystems mit eigener Schulstruktur. Für Eltern ist dies eine hervorragende Möglichkeit, ihre Kinder ohne Sprachbarrieren in das öffentliche Schulsystem zu integrieren.

Das belgische Bildungssystem

Das belgische Bildungssystem ist bekannt für seine konsequente Mehrsprachigkeit, seine Inklusivität und seine flexible Struktur. Die Schulpflicht beginnt in Belgien mit fünf Jahren (für Kinder, die bis zum 31. Dezember das fünfte Lebensjahr vollenden, ab dem darauffolgenden 1. September) und endet mit 18 Jahren (oder früher, wenn der Schüler die Sekundarschule erfolgreich abgeschlossen hat). Tatsächlich besuchen die meisten Kinder jedoch bereits mit zweieinhalb Jahren den Kindergarten (école maternelle/kleuterschool), was die frühe Einschulung und Betreuung erleichtert. Die Schulbildung gliedert sich in mehrere Stufen:

 

Vorschule (enseignement maternel/kleuteronderwijs, 2,5–6 Jahre): Spielerische Entwicklung grundlegender sozialer, motorischer und sprachlicher Fähigkeiten. Der Besuch ist ab fünf Jahren verpflichtend, faktisch beginnt die überwältigende Mehrheit der Kinder schon mit 2,5 Jahren.

Grundschule (enseignement primaire/lager onderwijs, 6–12 Jahre): Sechsjährige Grundschulzeit, aufgeteilt in drei Zyklen zu je zwei Jahren. Ab dem Schuljahr 2026/2027 wird Niederländisch für alle Kinder im französischsprachigen Bildungssystem ab dem dritten Grundschuljahr verpflichtend. Die Grundschule endet mit dem CEB-Zertifikat (Certificat d‘Études de Base).

Sekundarschule (enseignement secondaire/secundair onderwijs, 12–18 Jahre): Unterteilt in drei Stufen (Beobachtungs-, Orientierungs- und Bestimmungsstufe). In der zweiten Stufe (ab 14/15 Jahren) wählen die Schüler zwischen verschiedenen Strömungen: Allgemeinbildende (GSE), Technische (TSE), Künstlerische (ASE) und Berufliche (VSE) Ausbildung. Die Sekundarschule endet mit dem CESS (Certificat d‘Enseignement Secondaire Supérieur), der zum Hochschulzugang berechtigt.

Hochschulbildung: Bologna-Struktur (Bachelor, Master, PhD), sowohl an Universitäten (forschungslastig) als auch an Hochschulen (praxisorientierte Ausbildung) möglich.

 

Eine Besonderheit des belgischen Systems ist die starke Mehrsprachigkeit: In der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist Deutsch die Unterrichtssprache, während Französisch erste Fremdsprache ist. In der Französischen Gemeinschaft ist Französisch Hauptsprache, und Niederländisch wird ab der 3. Primarklasse obligatorisch. In Flandern ist Niederländisch Hauptsprache, und Französisch ist Pflichtfach ab der 5. Primarklasse. Diese konsequente Mehrsprachigkeit ist für die Integration von Vorteil, kann aber für neu zugezogene Kinder auch eine Herausforderung darstellen.

Unterschiede zum deutschen Schulsystem

Im Vergleich zu Deutschland fallen einige Unterschiede besonders auf:

 

FRÜHERE EINSCHULUNG: Kinder in Belgien starten bereits mit zweieinhalb Jahren im Kindergarten und werden mit fünf Jahren schulpflichtig – in Deutschland beginnt die Schulpflicht in der Regel mit sechs Jahren, und die Kita-Zeit ist nicht verpflichtend. Diese frühe Betreuung erleichtert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erheblich.

 

LÄNGERE GEMEINSAME GRUNDSCHULZEIT: Die Grundschule in Belgien dauert sechs Jahre (bis zum 12. Lebensjahr), während die deutsche Grundschule nur vier Jahre umfasst. Die Aufteilung in verschiedene Schulformen erfolgt also später, was den Kindern mehr Zeit für ihre Entwicklung gibt.

 

KONSEQUENTE MEHRSPRACHIGKEIT: Während in Deutschland Fremdsprachen meist ab der dritten oder fünften Klasse beginnen, ist in Belgien die Zweitsprache (Niederländisch für Französischsprachige bzw. Französisch für Niederländischsprachige) bereits fester Bestandteil des Grundschulunterrichts.

 

DEZENTRALE ORGANISATION: Die Bildungshoheit liegt bei den drei Sprachgemeinschaften (Flämische, Französische und Deutschsprachige Gemeinschaft), nicht beim Staat. Die Lehrpläne und Abschlüsse unterscheiden sich daher zwischen Flandern, Wallonien und der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Kindergärten und Vorschulen

Für Familien mit kleinen Kindern, die einen Umzug nach Belgien planen, gibt es eine Vielzahl an Kinderbetreuungseinrichtungen. In Belgien besuchen die meisten Kinder bereits mit zweieinhalb Jahren den Kindergarten (école maternelle/kleuterschool). Öffentliche Kindergärten sind in der Regel kostenlos und werden von den Gemeinden und Sprachgemeinschaften betrieben. Für Kinder unter 2,5 Jahren stehen Kinderkrippen (crèches/kinderdagverblijven) zur Verfügung, die von der Gemeinde, von privaten Trägern oder von Arbeitgebern organisiert werden.

BESONDERHEITEN DER DEUTSCHSPRACHIGEN GEMEINSCHAFT: Für Kinder zwischen 2,5 und 5 Jahren werden Kindergärten von der Deutschsprachigen Gemeinschaft organisiert und subventioniert. Für Kinder mit Wohnsitz in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist der Zugang kostenlos und sie haben einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Die frühkindliche Bildung in Ostbelgien ist damit besonders familienfreundlich.

Die bilinguale Kita der Internationalen Deutschen Schule Brüssel (iDSB) in Wezembeek-Oppem ist eine besondere Einrichtung für deutschsprachige Expats mit Kindern ab drei Monaten bis zu sechs Jahren. Sie bietet Deutsch als primäre Betreuungssprache mit Englisch- und Französischanteilen und ist eine der wenigen Einrichtungen in Brüssel mit konsequent deutschsprachiger Ausrichtung.

Sprachförderung und mehrsprachige Erziehung

Eine der größten Stärken des belgischen Bildungssystems ist seine Mehrsprachigkeit. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist Deutsch die Unterrichtssprache, und Französisch wird als erste Fremdsprache bereits im Kindergarten spielerisch gefördert. In der Französischen Gemeinschaft wird ab dem Schuljahr 2026/2027 Niederländisch für alle Kinder ab der dritten Primarklasse verpflichtend. Für Familien, deren Muttersprache Deutsch ist, bietet die iDSB eine vertraute Umgebung mit Deutsch als Unterrichtssprache. Für integrierte Familien wird empfohlen, ihr Kind zusätzlich außerschulische Sprachkurse in Französisch oder Niederländisch anbieten zu lassen, um die Integration zu beschleunigen.

TIPP FÜR ELTERN: Die meisten Gemeinden bieten Sprachförderungskurse (FLE – Français Langue Étrangère für Französisch) für neu zugezogene nicht-frankophone Kinder an. Auch die Goethe-Institute in Brüssel und Lüttich bieten Deutschkurse für Kinder an, um die Muttersprache zu vertiefen.

Fazit

Ein Umzug nach Belgien erfordert sorgfältige Planung, insbesondere im Hinblick auf die Bildung der Kinder. Es ist wichtig, sich frühzeitig über die verschiedenen Optionen zu informieren – je nach Region (Flandern, Wallonien, Brüssel-Hauptstadt, Deutschsprachige Gemeinschaft) und den individuellen Bedürfnissen Ihrer Familie. KOCH Umzugslogistik steht Ihnen zur Seite, um den Übergang in die belgische Bildungslandschaft für Ihre Kinder zu einem positiven Erlebnis zu machen.

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